Bürgermeister Michael Dutz zeigt sich im Interview mit Radio Ramasuri begeistert von der Großinvestition und hofft auf eine starke Signalwirkung für weitere Ansiedlungen. Der eigentliche Umzug erfolgt schrittweise ab dem kommenden Jahr.
Eine der größten Firmenansiedlungen der vergangenen Jahre im Landkreis Tirschenreuth nimmt Gestalt an: Die ABM Greiffenberger Antriebstechnik GmbH hat das rund 80.000 Quadratmeter große Areal der früheren Ziegler Logistik GmbH in Wiesau erworben.
Große Freude und Hoffnung auf weitere Ansiedlungen in Wiesau
Im Gespräch macht Wiesaus Bürgermeister Michael Dutz keinen Hehl aus seiner Begeisterung:
„Wir freuen uns natürlich, dass der Standort nach Wiesau kommt. Als örtlicher Bürgermeister freut man sich über jede Betriebsansiedlung, natürlich umso mehr über eine Betriebsansiedlung in dieser Größenordnung. Das ist schon eine freudige Nachricht für unsere Kommune hier in Wiesau.“
Der Bürgermeister betont, dass das Projekt zum genau richtigen Zeitpunkt kommt, da das Areal seit der Ziegler-Insolvenz brachlag. Dass das Gelände nun wiederbelebt wird und rund 300 Arbeitsplätze nach Wiesau kommen, sei ein enormer Gewinn für die Bevölkerung.
Dutz hofft zudem auf eine spürbare Sogwirkung für weitere Firmenansiedlungen. Das Areal liegt im Bereich eines interkommunalen Industrie- und Gewerbegebiets (an der A 93), das die Nachbargemeinden vor Jahren gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Da dort bereits größere Flächen erschlossen sind und weitere Teilabschnitte zur Verfügung stehen, könnte die ABM-Ansiedlung als starker Katalysator für die gesamte Region wirken.
Gleichzeitig stellt der Bürgermeister klar, dass es sich keineswegs um ein aktives Abwerben gehandelt habe:
„Es war kein aktives Abwerben von unserer Seite gegenüber der Stadt Marktredwitz. Wir sind zu einem Zeitpunkt in die Verhandlungen eingebunden worden, wo das ohnehin schon nahe an der Endphase war und man eigentlich nur noch Informationen zum Standort Wiesau erfragt hat.“
Angesprochen auf die verständliche Enttäuschung im benachbarten Marktredwitz zeigt Dutz großes Mitgefühl: „Ich kann das durchaus nachempfinden. Es ist natürlich ein herber Verlust, und ich kann hier irgendwo auch mitfühlen mit dem Oberbürgermeister-Kollegen.“ Dennoch sei es eine unternehmerische Entscheidung gewesen. Das Schlimmste für die Region wäre gewesen, wenn ABM vollständig ins Ausland abgewandert wäre. So bleibe das wertvolle Know-how in der Region erhalten.
Hintergründe zum Umzug: Warum ABM Marktredwitz verlässt
Hinter dem schmerzhaften Abschied aus Marktredwitz stehen gewachsene, ineffiziente Strukturen. Bislang unterhielt das Unternehmen dort zwei Produktionsstandorte, die nur rund einen Kilometer Luftlinie auseinanderliegen. In der Praxis mussten Bauteile während der Fertigung jedoch permanent zwischen den Werken hin- und her transportiert werden.
Durch die künftige Bündelung aller Prozesse – Produktion, Logistik und Verwaltung – auf dem Ziegler-Areal in Wiesau entfallen diese internen Transportwege vollständig. Die beiden großen Hallen bieten zusammen etwa 18.000 Quadratmeter Fläche.
Arbeitsplätze gesichert – schrittweiser Zeitplan ab 2027
Von dem Umzug sind rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den bisherigen Marktredwitzer Standorten betroffen (Ende 2023 waren es noch rund 500, im Zuge von Restrukturierungen wurde die Belegschaft auf etwa 400 reduziert).
Der Umzug selbst erfolgt behutsam und in Etappen. Die Planungen laufen auf Hochtouren, ab 2027 sollen die eigentlichen Arbeiten zur Umrüstung der Hallen beginnen. Nach außen hin wird das Vorhaben zunächst unsichtbar bleiben, ehe die Produktionslinien schrittweise verlagert werden. Die Belieferung der Kunden läuft währenddessen uneingeschränkt weiter. Die alten Werke in Marktredwitz will ABM veräußern oder vermieten – darunter auch eine erst vor wenigen Jahren errichtete Halle für Elektromotoren-Gehäuseteile.
Unternehmensprofil ABM Greiffenberger: Gründung 1927 in Nürnberg, seit 1943 in Marktredwitz ansässig. Seit 2016 gehört der Antriebshersteller zur Senata-Gruppe (Freising). Mit rund 300 Beschäftigten erwirtschaftet das Unternehmen konstant einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro. Nach über 80 Jahren in Marktredwitz schlägt das Traditionsunternehmen nun in Wiesau ein neues Kapitel auf.