Wenn die Seele streikt: Warum die neue Jugendpsychiatrie in Weiden ein echter Segen für Familien ist

10. Juli 2026 , 04:24 Uhr

Es sind Zahlen, die aufrütteln: Allein im vergangenen Jahr wurden in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der medbo in Weiden rund 1.600 junge Menschen behandelt – ein trauriger Rekord und ein Plus von 30 Prozent seit 2019. Hinter jedem dieser Fälle steckt ein Schicksal, eine Familie in der Krise, oft ein monatelanger Leidensweg. Wenn das eigene Kind unter Depressionen leidet, nicht mehr schlafen kann oder in die Sucht abrutscht, zählt jede Minute. Doch bisher bedeutete Hilfe in der nördlichen Oberpfalz vor allem eines: lange, quälende Autofahrten nach Regensburg.

Damit ist jetzt Schluss. Am Donnerstag (09.07.2026) wurde der moderne Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJPP) in der Gabelsberger Straße offiziell eingeweiht. Ein Meilenstein, der nicht nur hochmoderne Medizin, sondern vor allem ganz viel Menschlichkeit in die Region bringt.

Ein Kampf, der 2012 begann

Wie dringend nötig dieses Haus ist, weiß Dr. Christian Rexroth, Ärztlicher Direktor der Klinik, aus eigener, jahrelanger Erfahrung. Er erinnert sich an die Zeit vor 15 Jahren, als die Notaufnahmen in den Ambulanzen voll waren und verzweifelte Jugendliche in schweren Ausnahmesituationen Hilfe suchten: „Wir konnten für sie gar nicht ausreichend tätig werden. Eine ordnungsgemäße, ausreichend lange Behandlung? Gab es schlichtweg nicht.“ Bereits 2012 suchte er das Gespräch mit dem Ministerium. Aus der damaligen Vision ist nun, nach dem Spatenstich 2022, ein 34 Millionen Euro teures Versorgungszentrum geworden, das Familien im Alltag massiv entlastet. „Jetzt müssen die Familien nicht mehr eine Stunde oder länger fahren“, so Rexroth sichtlich erleichtert.

Auch Weidens Oberbürgermeister Benjamin Zeitler freut sich über das neue Zentrum direkt vor der Haustür:

„Mich freut es insbesondere, dass Menschen, die wirklich in schweren Situationen sind und Hilfe oder Kontakt brauchen, hier als Familie relativ nah Unterstützung finden. Das ist ein gutes Signal für die ganze Region.“

Ein sicherer Hafen – auch bei Suchterkrankungen

Ein Herzstück der neuen Klinik sind die 32 stationären Behandlungsplätze. Acht davon gehören zu einer spezialisierten Suchtstation, die auch überregional eine Lücke schließt. Dr. Rexroth macht deutlich, worum es in der ersten, härtesten Phase geht:

„Wichtig ist, dass die Jugendlichen, die freiwillig oder auch unfreiwillig zu uns kommen, überhaupt erst mal wieder einen Zustand erleben können, in dem sie ohne Substanzen sind. Von dem aus kann man dann individuell weiterschauen.“

Ob medizinisch begleiteter Entzug oder anschließende Entwöhnungstherapie – das Team in Weiden fängt die Jugendlichen auf.

„Keiner ist hier allein“: Ein Team mit Herz und starkem Ruf

Dass in Weiden kein kaltes, technokratisches Krankenhaus entstanden ist, liegt vor allem am Konzept von Chefarzt David Aue. Er setzt auf Bewegung, Erlebnispädagogik, therapeutisches Klettern und ein starkes Miteinander. Und er vertraut auf ein riesiges, buntes Team: Ärzte, Psychologen, Spezialisten für Kunst- und Musiktherapie, Logopäden und ein engagierter Pflegedienst arbeiten Hand in Hand.

Das Besondere: Trotz des allgemeinen Fachkräftemangels konnte die medbo alle 65 neuen Stellen problemlos besetzen. „Weil die medbo einfach einen hervorragenden Ruf hat“, betont Aue stolz.

„Uns ist wichtig, dass wir als Team zusammenarbeiten. Jeder macht das, was er am besten kann. Kein Mitarbeiter ist hier alleine, wir unterstützen uns gegenseitig.“

Spitzenmedizin trifft Heimatnähe

Für Bezirkstagspräsident Franz Löffler ist klar: Der Maßstab für den Erfolg sind nicht die Mauern des Neubaus, sondern die Lebensqualität der jungen Menschen. Durch die enge Anbindung an den Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Regensburg wird universitäre Spitzenforschung direkt am Patientenbett in Weiden angewendet. „Das Team hat das wirklich drauf“, lobt Löffler.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach, deren Ministerium das Projekt mit knapp 18 Millionen Euro gefördert hat, richtete zum Abschluss einen ganz persönlichen Wunsch an die künftigen kleinen und großen Patienten:

„Ich würde mir wünschen, dass alle Kinder und Jugendlichen, die hierherkommen, wieder gesund werden und ihren guten Weg im Leben finden.“

Ab sofort ist Weiden um einen Ort reicher, an dem dieser Weg zurück ins Leben beginnen kann.

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